Donnerstag, 11. November 2010

Der Wille

Allein schon, weil wir selbst für unsere privaten Entscheidungen nicht verurteilt werden wollen, fordern wir: Jeder mag für sich selbst wählen. Und doch - wir hoffen, bitten inständig dass das, zu dem sich unsere Mitmenschen entscheiden, das Gute sein möge. Was ist das Gute? Das Gute ist das Angemessene. Das Gute sorgt für Verbesserung, es ist das stete Bemühen, Glück für sich und andere zu erreichen. Bemühen, und darum - kann man es nicht lernen. Etwas, um das ich mich Mühen muss, ist nicht einfach durch fragloses anwenden eherner Regeln zu erreichen, Nein, das wäre keine Mühe, das wäre Konsequenz und Sturheit. Das Gute ist in uns, weswegen es niemandem Mühe bereitet. Doch es freizulegen und in die Welt zu bringen, das ist eine Herausforderung. Man kann das Gute in kein Kind durch christliche Kindergärten einflößen. Es hat keinen Wert, einem vom Schicksal geprüften die Hand zu reichen und selbst Gemütlichkeitseinbußen dafür in Kauf zu nehmen, anderen den Weg zur Edelmut zu weisen - wenn man sich nicht selbst, ureigenst, dazu entschieden hat. Das ist der Kern des Lebens, Kurt Tucholsky sagt: Leben heißt aussuchen. Nur wenn ich mich frei dazu entscheide, der Sanftmut den Vorzug zu geben, wird die Sanftmut zur ehrbaren Tugend. Was ist schon Moral? Moral hat keinen Wert, Moral kann man nicht lehren. Die ethische Entscheidung ist in uns. Wir müssen sie nur finden, und dazu müssen wir sie wollen. Der Wille allein führt auf den Pfad des Guten.