Im Internet empört man sich gern ab und an, und Ausrufe wie "Das ist doch keine Kunst!" sind oft nicht weit.
Kunst der Prozess oder das Produkt des Arrangierens von Elementen, sodass sie den Verstand oder die Gefühle anderer Menschen anspricht. Laut dieser Definition wäre die Grausamkeit gegen den Hund also Kunst. Was muss und was darf Kunst? Das sollte jeder für sich festlegen.
Ich finde, dass Kunst Anregung sein muss. Anregung zum Denken, Anregung zum Handeln. Im Großen wie im Kleinen - ein Stillleben, das bei meinem Großvater hängt, hat mich als Kind sehr fasziniert und dazu angeregt, Obst nicht nur als Nahrung zu betrachten sondern die Formenvielfalt der Natur und meines Essens zu würdigen. Ich esse seit dem mit mehr Lust und Freude weil ich Lebensmittel als Früchte der Natur und der Arbeit meiner Mitmenschen auffasse. Im Großen - meine Lebenseinstellung und die Art, wie ich jeden Tag handle ist stark von der Literatur beeinflusst. Eines der wichtigsten Bücher für meine kindliche Entwicklung war Matthias Sandorf (Jules Verne) das mich über Selbstjustiz und Vergebung nachdenken ließ.
Der Hund wurde in einer öffentlichen Gallerie unbarmherzig gequält, außerhalb seiner Reichweite wurde mit Hundefutter etwas an die Wand geschrieben. Mich hat dieses Kunstwerk sehr traurig gemacht, weil niemand der Besucher den Hund gefüttert, befreit, die Polizei gerufen hätte oder sonst irgendetwas unternommen hat. Anstatt allerdings die Besucher der Gallerie mit zu verurteilen, empören wir uns über den Künstler selbst - er hat übrigens eine Petition gegen sein Tun selbst unterschrieben (behauptet er): Damit beschämt er uns, denn sein Werk hat uns aufmerksam gemacht, uns aufschreien lassen - aber die unmittelbaren Betrachter haben nichts getan. Sind sie alle Einzelfälle? Oder sterben in Nicaragua so viele Hunde auf der Straße, dass es niemandem in den Sinn kommt, einem Hund zu helfen?
Diese Fragen leiten zum Wert eines Hundelebens, zum Wert eines Menschenlebens (jede Minute verhungern etwa 17 Menschen) und, drastisch und überspitzt formuliert, zur Moral einer Internetgesellschaft, die sich über den Tod eines Hundes empört ohne zu fragen, warum er ermordet wurde.
Wer darf das? Wer darf inmitten von (ungewollter? unvermeidbarer?) Ungerechtigkeit, Heuchlerei, gleichgültiger Arroganz und Unbarmherzigkeit bewusst die Wege der Welt nachahmen und uns mit überspitzter Grausamkeit schockieren? Was, außer Hilflosigkeit und Wut, hat heutzutage Chancen, die Menschen anzuregen anders zu handeln? In der Bibel heißt es, wer unter Euch ohne Sünde ist werfe den Ersten Stein. Und wenn einer die Sünde wissentlich, in aller Öffentlichkeit und so drastisch und grausam begeht, dass die Tat allein die größte Anklage ist? Ist der Stein dann trotzdem geworfen? Formal hat er sich in die Reihe der Sündiger eingereiht und nichts anderes getan als sie auch. Aber weil er unser Innerstes berührt und wir gar nicht anders können, als über alle Sünden dieser Art nachzudenken, ist der Stein trotzdem geworfen. Wir Menschen müssen gemeinsam darüber nachdenken, was wir wollen.
Ob wir jedem die völlige Freiheit und damit auch die völlige Verantwortung über sein Leben im Guten wie im Schlechten geben und fordern, dass man mit seinem "Schicksal" selbst fertigwird oder unseren Mitmenschen die Entscheidungsfreiheit nehmen und sie zu Mitgefühl zwingen (Solidaritätszuschlag), darüber können wir selbst Entscheiden.
Wen diese sinnlose Grausamkeit wütend macht, der
studiere Naturwissenschaften und entwickele Bewässerungssysteme, ertragreiche genügsame Nahrungspflanzen/Nutztiere,
engagiere sich politisch und ehrenamtlich für eine fairere Verteilung von Nahrungsmitteln,
mache Nachbarn, Verwandte und Freunde im Gespräch auf Heuchelei aufmerksam,
werde Künstler und rufe andere auf, Verantwortung für unsere Menschenbrüder zu übernehmen.
Über sein Können hinaus ist niemand verpflichtet.
Mittwoch, 18. Februar 2009
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