Montag, 9. Februar 2009

Skin Deep Grotesque & Brass Festival

Skin Deep
Wenn man schon beim Betreten des Theaters von einem bekannten Programmverkäufer angesprochen und mit "Hast Du überhaupt eine Vorstellung davon, wie schlecht das hier ist?" begrüßt wird - sollte man sich dann Sorgen machen? Er fügte hinzu, dass in vorherigen Vorstellungen durchaus einige Besucher in der Pause gegangen seien. Weswegen man die Tickets mit den Getränkegutscheinen für die Theaterbar, die erst nach der Vorstellung öffnet, eingeführt hat. Ich gab mir Mühe, unvoreingenommen zu bleiben und sah es mir bis zum Schluss an. Müsste ich diese Erfahrung in einem Wort zusammenfassen und dabei fair bleiben - es wäre grotesk.
Ob der moderne Operettenfreund (Skin Deep wurde vor der Premiere übrigens als Oper gehandelt) wirklich die Zielgruppe dieses Spottes gegen die Einheits- und Gossenblattästhetik ist, sei dahingestellt.

Ich notierte in der Pause:
- viel studentisches Publikum (Free Drinks Voucher)
- geneigte Operngänger angewidert, Programmverkäufer ängstlich
- auf dem Platz neben mir älterer Herr, freundlich und liberal, scheint Enttäuschung mir Akzeptanz des Laufes der Welt zu verbinden

Festival of Brass
University of Leeds, Durham und Warwick haben je eine Musikorganisation, die drei veranstalten seit 6(?) Jahren ein jährliches Gemeinschaftskonzert. Dass der Dirigent der Leeds Brass Band einen goldenen Kummerbund und Schleife trug imponierte mir sehr - wirkt bei anderen Ensembles der Dirigent ab und zu losgelöst, vereinte hier das Glänzen der Instrumente und das des Kummerbunds. Auftakt durch Leeds mit fröhlichen Stücken, dann Warwick mit einer ausgezeichneten Vorstellung - Robert Ramskills Elegy and Toccata rissen mich mit sich, betteten sich sanft in meine Erinnerung und entliessen mich mit einem Hochgefühl in die Pause. Für die zweite Häfte spielten die drei Ensembles zusammen - ich merkte, dass ich leicht ungünstig saß: unter der Ballustrade gerät man bei fast 80 Blechbläsern forte in eine unangenehme raumakustische Situation. Besonderen Eindruck hinterließ das 2. Movement der Caledonian Journey (Alan Fernie): piano, und wahrhaftig eindrucksvoll. Noch nie hatte ich Blechbläser so sanft, so zärtlich und einfühlsam erlebt. Es rief in mir Erinnerungen an die schönste Singstimme, die ich je gehört habe, wach. Moonlight, so der Titel, zeigte sich ganz und gar nicht so kalt und unpersönlich, entrückt-schön wie ich das Mondlicht für gewöhnlich empfinde.
Carla Freyhoupt.

?: Einige Verwirrung darüber, welches Annual Festival of Brass dies war, entstand. Laut Programm das Sechste, allerdings merkte Phillip Ash, Dirigent Durhams an, dass letztes Jahr in Durham das Vierte gegeben wurde. Zwischenrufe aus dem Publikum bestätigten dies.

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